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ARRI
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ARRI ist ein global tĂ€tiger Anbieter von Technik und Dienstleistungen fĂŒr die Film- und Medienwirtschaft. Der Name ist die Kurzform (Akronym) der ursprĂŒnglichen Firma Arnold & Richter. Das Unternehmen mit Sitz in MĂŒnchen wurde 1917 gegrĂŒndet. Weitere Niederlassungen existieren in 16 LĂ€ndern in Europa, Nord- und SĂŒdamerika, Asien und Australien. ARRI entwickelt, produziert und vertreibt professionelle Filmkameras, Objektive, Beleuchtung und Systemlösungen fĂŒr die Film-, Fernseh- und Medienindustrie.cite-ref-about-1-2[1]
Das Unternehmen gehört seit dem Jahr 2013 zur Stahl Beteiligungs-GmbH, Riedering. Sie ist die Konzernobergesellschaft der ARRI AG und ihrer Tochtergesellschaften in Deutschland, unter anderem der Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co. Betriebs KG, der ARRI Herstellungs- und Vertriebsgesellschaft fĂŒr feinmechanische Erzeugnisse mbH oder der ARRI Rental Deutschland GmbH, die Produktionen in aller Welt mit Kamera-, Licht- und BĂŒhnenequipment ausstattet.cite-ref-konzernabschluss-2020-3-0[3]
Contents
âą Geschichte
âą 1946â1989
âą 1990â2009
âą 2010er Jahre
âą 2020er Jahre
âą Produkte
âą Kameralinien
âą Objektive
âą Beleuchtung
⹠Zubehör
âą Filmrekorder
âą Filmscanner
âą Software
âą Kameraproduktion
âą Filmproduktion
âą Filmmarkt
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geschichte
AnfĂ€nge (1914â1917)
Bereits als Teenager begeisterten sich die beiden Schulkameraden August Arnold (1898â1983) und Robert Richter (1899â1972) fĂŒr das Medium Film. 1914 bauten sie im Alter von 16 Jahren einen Kinoprojektor mit Handbetrieb auf Elektromotor um und fĂŒgten als hellere Lichtquelle eine selbst gebaute Bogenlampe hinzu. AuĂerdem ersetzten die beiden die 60-m-Trommeln durch eine selbst gebaute 300-m-Trommel.cite-ref-4[4]
1915 lernten Arnold und Richter den MĂŒnchner Filmpionier Martin Kopp kennen, bei dem sie als Assistenten arbeiteten, um bei ihm mehr ĂŒber die Arbeit mit bewegten Bildern zu erfahren. Schon bald kauften sie eine Urban-35-mm-Kamera und nahmen Verbesserungen daran vor.cite-ref-5[5] Im gleichen Jahr trafen sie auf Peter Ostermayr, der am Karlsplatz in MĂŒnchen ein Glas-Atelier fĂŒr Spielfilm-Aufnahmen betrieb. Hier erlernten Arnold und Richter die Technik der Spielfilmherstellung.cite-ref-6[6]
Robert Richter studierte an der Technischen Hochschule MĂŒnchen Maschinenbau und promovierte anschlieĂend, August Arnold absolvierte von 1916 bis 1917 ein Studium der Elektrotechnik am Technikum Mittweida.cite-ref-7[7] Im Jahr 1961 erhielt Arnold die EhrendoktorwĂŒrde der TU MĂŒnchen.cite-ref-8[8]
GrĂŒndung und frĂŒhe Jahre (1917â1925)
Am 12. September 1917 grĂŒndeten die beiden Entrepreneure die Firma Arnold & Richter, kurz ARRI. Das Akronym entstand aus den ersten beiden Buchstaben ihrer Nachnamen ARnold und RIchter. In einer ehemaligen Schusterwerkstatt in der MĂŒnchner TĂŒrkenstraĂe eröffneten sie einen Laden und dieser Standort blieb 100 Jahre lang die Firmenzentrale von ARRI.cite-ref-90thanniversary-9-0[9] ZunĂ€chst waren die GeschĂ€ftsgegenstĂ€nde âFilmaufnahmenâ und âder Betrieb eines foto- und film-chemischen Laboratoriumsâ. Um nicht auf fremdes Equipment angewiesen zu sein, entwickelte ARRI eigene Filmkopiermaschinen, SchneidegerĂ€te, Scheinwerfer und Filmkameras.cite-ref-10[10]
Ab 1918 drehten Arnold und Richter als freiberufliche KameramĂ€nner rund um MĂŒnchen so genannte Isarwestern.cite-ref-schraube-11-0[11] In dieser Zeit lernten sie im MĂŒnchner Studio Weiss-Blau auch die Geheimnisse der Lichttechnik kennen.cite-ref-90thanniversary-9-1[9] Um nicht nur bei Tageslicht drauĂen zu drehen, sondern auch kĂŒnstlich InnenrĂ€ume auszuleuchten, brachte ARRI 1924 den ersten Spiegelfacettenscheinwerfer mit GlĂŒhlampe heraus, der von einem Flugzeugmotor in einem mobilen Generator angetrieben wurde.cite-ref-schraube-11-1[11] Im gleichen Jahr entwickelten Arnold und Richter auch ihre erste Filmkamera, die kleine und tragbare KINARRI 35.cite-ref-12[12]
Aufstieg und Anbiederung an den Nationalsozialismus 1926â1938
In den GrĂŒndungsjahren wuchs ARRI stetig: 1927 hatte die Firma 20 Mitarbeiter,cite-ref-13[13] fĂŒnf Jahre spĂ€ter waren es bereits doppelt so viele.cite-ref-14[14] Wenn August Arnold und Robert Richter ihre Technik nicht selbst fĂŒr die Produktion von Filmen oder BeitrĂ€gen fĂŒr die Wochenschau verwendeten, verliehen sie ihre GerĂ€te gegen GebĂŒhr an andere Filmproduzenten. Die Idee, Equipment zu verleihen, fĂŒhrte viele Jahre spĂ€ter zur GrĂŒndung von ARRI Rental, heute ein wichtiger Zweig des globalen GeschĂ€fts von ARRI.cite-ref-15[15]
1928 entwickelte die Firma mit der KINARRI 16 die erste 16-mm-Kamera, eine Amateurkamera mit Handkurbel, die bald von einer fortschrittlicheren Version mit Federmechanismus abgelöst wurde. 1934 brachte ARRI eine mobile Tonkamera auf den Markt, die allerdings aufgrund von Patentproblemen nur fĂŒr die Produktion von zwei Filmen verwendet wurde.cite-ref-16[16]
Seit 1927 filmte die Firma die Reichsparteitage der NSDAP und als diese in Deutschland die Macht ĂŒbernommen hatte, biederte ARRI sich ihr mit Schreiben an, in denen man sich als alter UnterstĂŒtzer der Partei prĂ€sentierte. Richter und Arnold traten beide 1933 der NSDAP bei. Man erhoffte sich von den neuen Machthabern Protektion, AuftrĂ€ge und Empfehlungen der wieder neu begonnenen Spielfilmproduktion an die Gliederungen der Partei. Die Firma engagierte ĂŒberzeugte Nazis als Regisseure und Drehbuchautoren, doch schon nach drei Filmen 1934/35 endete das Comeback der Firma als Produzent abendfĂŒllender Spielfilme. Noch 1938 wurde ARRI damit beauftragt, einen Film ĂŒber die Zerstörung der Alten Hauptsynagoge MĂŒnchen zu drehen.cite-ref-17[17]
1937 prĂ€sentierte ARRI auf der Leipziger FrĂŒhjahrsmesse die ARRIFLEX 35, die erste Spiegelreflex-Filmkamera, die in Serie produziert wurde. Entscheidenden Anteil daran hatte Konstrukteur Erich KĂ€stner, der den Spiegelverschluss in Filmkameras zur Marktreife brachte. Erstmals machte es die ARRIFLEX 35 möglich, durch den optischen Sucher ohne Parallaxenfehler den exakten Bildausschnitt und die SchĂ€rfenverteilung zu sehen. Das Konzept der Kamera wird bis heute in digitalen ALEXA-Kameras eingesetzt.cite-ref-18[18]
Zweiter Weltkrieg (1939â1945)
In den Jahren ab 1939 war das deutsche MilitĂ€r GroĂabnehmer fĂŒr ARRIFLEX-Kameras, die fĂŒr Propagandazwecke genutzt wurden. An die Filmindustrie durfte kaum mehr verkauft werden. ARRI zĂ€hlte nicht als RĂŒstungsbetrieb; dennoch wurde 1942 die Produktion aus der MĂŒnchner TĂŒrkenstraĂe ins rund 70 Kilometer entfernte Brannenburg verlegt.cite-ref-19[19] Am 13. Juli 1944 wurde der MĂŒnchner Hauptsitz von Bomben der Alliierten komplett zerstört.cite-ref-20[20]
In den USA entstand wĂ€hrend des Kriegs eine Kopie der ARRIFLEX, die Cineflex, die ebenso hauptsĂ€chlich fĂŒr militĂ€rische Zwecke eingesetzt wurde. Nach 1945, als ARRI im von US-StreitkrĂ€ften besetzten Bayern wieder ARRIFLEX-Kameras mit deutscher PrĂ€zisionstechnik liefern konnte, verschwand die amerikanische Kopie wieder vom Markt.cite-ref-21[21] Nach Kriegsende begann ARRI umgehend mit dem Wiederaufbau des MĂŒnchner Firmensitzes, der in mehreren Phasen umgesetzt wurde und am Ende etwa zehn Jahre dauerte.cite-ref-22[22]
1946â1989
1946 wurden etwa 70 Exemplare der ARRIFLEX 35 produziert.cite-ref-23[23] Insgesamt entstanden ĂŒber die Jahre mehr als 17.000 ARRIFLEX-35-Kameras, die weltweit fĂŒr die Produktion von Filmen verwendet wurden.cite-ref-24[24] FĂŒr das Design und die Entwicklung der Filmkamera wurde ARRI 1966 und 1982 mit zwei Scientific and Technical Academy Awards â also âTechnik-Oscarsâ â ausgezeichnet. Diese Academy Awards sind zwei von insgesamt 19 Oscar-Auszeichnungen, welche die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ARRI in den ersten 100 Jahren seines Bestehens verlieh.cite-ref-25[25]
1947 wurde eine im Krieg erbeutete ARRIFLEX-Kamera erstmals fĂŒr die Produktion eines Hollywood-Spielfilms in den USA eingesetzt: Die schwarze Natter mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall.cite-ref-26[26] 1948 entstand mit der ARRIFLEX 35 II der Dokumentarfilm Louisiana-Legende von Filmemacher Robert J. Flaherty.cite-ref-27[27]
1952 brachte ARRI die ARRIFLEX 16 ST auf den Markt, die erste professionelle 16-mm-Kamera mit Spiegelverschlusstechnologiecite-ref-28[28], die zunĂ€chst vor allem im wachsenden TV-Markt in den USA, spĂ€ter weltweit fĂŒr die Nachrichten- und Sportberichterstattung eingesetzt wurde.cite-ref-29[29] Im gleichen Jahr stellte das Unternehmen den bislang gröĂten GlĂŒhlampen-Scheinwerfer vor, den ARRI GIGANT 20 kW.cite-ref-30[30]
1955 startet ARRI offiziell sein VerleihgeschĂ€ft in Deutschland. ZunĂ€chst verlieh das Unternehmen hauptsĂ€chlich Kameras, spĂ€ter auch Licht- und BĂŒhnen-Equipment. Mit Hilfe des Verleihs fĂŒhrte ARRI neue Produkte in den Markt ein; dies verbesserte auch die Absatzzahlen beim Verkauf und im Jahr 2002 wurde das komplette VerleihgeschĂ€ft von ARRI in der ARRI Rental Deutschland GmbH neu aufgelegt.cite-ref-31[31]
1957 eröffnete ARRI ein Farbdrucklabor in der MĂŒnchner Innenstadt, das mit Kopier- und Filmentwicklungsmaschinen aus eigener Herstellung ausgestattet wurde.cite-ref-32[32] 1958 baute das Unternehmen das ARRI-Kino in der TĂŒrkenstraĂe, das 1985, 2002 und auch noch einmal 2018 komplett renoviert wurde.cite-ref-33[33] Seit der Neueröffnung im Dezember 2018 heiĂt es ASTOR Filmlounge im ARRI und besteht aus drei KinosĂ€len.cite-ref-34[34]
1965 kam mit der ARRIFLEX 16BL die erste geblimpte (schallgedĂ€mmte) 16-mm-Kamera von ARRI auf den Markt.cite-ref-35[35] 1972 folgte die ARRIFLEX 35 BL als leichte und leise Alternative zu den eher schweren und unhandlichen Kameras mit Blende.cite-ref-36[36] Ebenfalls 1972 stellte ARRI mit der ARRISONNE 2000 W die erste Tageslichtlampe vor.cite-ref-37[37] 1975 kam die ARRIFLEX 16SR auf den Markt, die ĂŒber einen neu gestalteten Sucher mit einem Belichtungsmesser durch das Objektiv verfĂŒgte.cite-ref-38[38]
1977 grĂŒndete ARRI ein von Volker Bahnemann gefĂŒhrtes Tochterunternehmen in den USA, um nĂ€her ans Epizentrum der Filmindustrie in Hollywood zu rĂŒcken. Dort und weltweit in vielen weiteren LĂ€ndern wurden im Laufe der Jahre zahlreiche Filmklassiker mit ARRIFLEX-Kameras gedreht. Beispiele sind Zwei glorreiche Halunken (1966), Easy Rider (1969), A Clockwork Orange (1971), Dieses Land ist mein Land (1976), Shining (1980) oder Full Metal Jacket (1987).cite-ref-39[39]
1989 stellte das Unternehmen die ARRIFLEX 765 vor, eine 65-mm-Kamera, die auch als Reaktion auf die wachsende Nachfrage der Industrie nach 70-mm-Kopien diente.cite-ref-44[44] Ebenfalls 1989 flog ARRI mit der US-Weltraumbehörde NASA ins All: ARRIFLEX-16-mm-Kameras nahmen an zwei Weltraummissionen der Raumschiffe Columbia (1989) und Atlantis (1990) teil.cite-ref-45[45]
1990â2009
1998 veröffentlichte das Unternehmen den Arrilaser, einen digitalen Filmbelichter, der in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut fĂŒr Physikalische Messtechnik (IPM) entwickelt wurde.cite-ref-48[48] Im gleichen Jahr brachte ARRI in Kooperation mit der Carl Zeiss AG die Objektive der Reihe Ultra Prime auf den Markt.cite-ref-49[49]
In den 1990er-Jahren ĂŒbernahm ARRI die Firma Moviecam. 2000 kamen die Kameras ARRICAM-ST und -LT auf den Markt. Inzwischen steckte das digitale Zeitalter nach der Jahrtausendwende in seinen AnfĂ€ngen: ARRI entwickelte 2003 seine erste Digitalkamera, die ARRIFLEX D-20, die spĂ€ter zur D-21 weiterentwickelt wurde. Diese Kamera verwendete einen 35-mm-CMOS-Sensor (anstelle eines CCD-Sensors) und ermöglichte es Kameraleuten, Standard-35-mm-Objektive zu verwenden.cite-ref-50[50]
Die EinfĂŒhrung des ARRISCAN 2004 bot neue Möglichkeiten fĂŒr die Postproduktion von Filmen und schloss die LĂŒcke zwischen analoger und digitaler Welt, Film und Daten. Das GerĂ€t verfĂŒgte ĂŒber einen 35-mm-Sensor zum Scannen von Kinofilmen mit einer Auflösung von bis zu 6K. ZunĂ€chst wurden Filme analog gedreht, in Echtzeit in Datendateien digitalisiert, bearbeitet, sortiert, zusammengesetzt und dann mit einem Arrilaser wieder auf Film ausgedruckt. In spĂ€teren Jahren wird der ARRISCAN vor allem fĂŒr Filmrestaurierungsarbeiten eingesetzt.cite-ref-51[51]
2004 wurden mit einer ARRIFLEX 435 Filmaufnahmen auf dem Mount Everest gemacht, ohne dass die Kamera mit zusĂ€tzlicher Technik nachgerĂŒstet werden musste.cite-ref-52[52]
2005 kam mit dem ARRIMAX 18/12 der bisher hellste Scheinwerfer von ARRI auf den Markt. Er verwendete ein Reflektorkonzept zur Strahlensteuerung, das den Einsatz von Streulinsen ĂŒberflĂŒssig machte.cite-ref-53[53] Im gleichen Jahr veröffentlichte ARRI die ersten Objektive der Reihe Master Primes, die eine hohe Auflösung, groĂe SchĂ€rfe und ein kaum noch vorhandenes âFocus Breathingâ versprachen.cite-ref-54[54] 2007 folgten weitere Master Primes mit 14 mm und 150 mm Brennweite.
2006 stellte ARRI mit der ARRIFLEX 416 eine Super-16-mm-Kamera vor, die die ARRICAM-Technologie mit dem Design einer ARRIFLEX 235 verband. Die ARRIFLEX 416 wurde zur letzten analogen Kamera aus dem Hause ARRI, denn Digitalkameras eroberten den Filmproduktionsmarkt weltweit inzwischen schneller als erwartet.cite-ref-55[55]
Negative internationale Schlagzeilen machte die Firma 2007: Im Kopierwerksbereich von ARRI wurde durch einen ungeklĂ€rten Fehler Filmmaterial mehrerer Drehtage der A-Budget-Produktion Operation WalkĂŒre â Das Stauffenberg-Attentat beschĂ€digt, weswegen mehrere Drehtage wiederholt werden mussten.cite-ref-56[56]
In den Jahren zwischen 1990 und 2009 wurden viele Filmklassiker mit ARRI-Equipment gedreht: Goodfellas (1990), Schindlers Liste (1993), Fargo (1996), Das fĂŒnfte Element (1997), Star Wars: Episode 1 â Die dunkle Bedrohung (1999), In the Mood for Love (2000), Die fabelhafte Welt der Amelie (2000), Der Herr der Ringe â Die GefĂ€hrten (2001), Chicago (2002), King Kong (2005) oder Departed â Unter Feinden (2006).
2010er Jahre
2010 brachte ARRI die erste Kamera der ALEXA-Reihe auf den Markt â ein klares Bekenntnis zum digitalen Kino. Die ALEXA war in der Lage, 1080p-Material in ProRes-QuickTime-Formate zu komprimieren und ermöglichte Direct-to-Edit-Workflows.cite-ref-57[57] SpĂ€tere Modelle, die der Produktpalette hinzugefĂŒgt wurden, waren die ALEXA Plus, ALEXA Studio und ALEXA M.cite-ref-58[58] In der Filmbranche war die digitale ALEXA-Reihe sehr erfolgreich: 2017, sieben Jahre nach der Veröffentlichung der ersten ALEXA, wurden die Kameramodelle weltweit bei 80 Prozent der gröĂten Kinoproduktionen eingesetzt.cite-ref-fauer-59-0[59]
2010 erhielt ARRI den Ehrenpreis beim Deutschen Kamerapreis fĂŒr seine technischen Innovationen und seine Verdienste im internationalen Film.cite-ref-60[60]
Im Lichtsegment kamen 2011 neue Scheinwerfer der L-Serie von ARRI auf den Markt, die bei der EinfĂŒhrung der LED-Technologie in die Film- und Fernsehindustrie ihren Beitrag leisteten. Erster Vertreter der L-Serie war das Modell L7 (L fĂŒr LED und 7 fĂŒr 7-Zoll-Fresnels). SpĂ€ter kommen L10 und L5 hinzu; alle Modelle sind erhĂ€ltlich als Kunstlicht-, Tageslicht- und farbsteuerbare Versionen.cite-ref-61[61]
Am 1. Oktober 2012 wurde bekannt, dass der Sohn des FirmenmitgrĂŒnders August Arnold, Robert (Bob) Arnold, seine 50-prozentigen Anteile an der ARRI AG an die Nachfahren des zweiten FirmenmitgrĂŒnders, Robert Richter, verkauft hatte. Die Anteile wurden in die Stahl Beteiligungs-GmbH eingebracht und nach Genehmigung des Kartellamts endete damit die 95-jĂ€hrige paritĂ€tische Partnerschaft beider Familien.cite-ref-62[62] Bob Arnold starb 2025 kurz vor seinem 82. Geburtstag.cite-ref-63[63]
2014 kam die ALEXA 65 auf den Markt, eine Kamera, die bis heute exklusiv von ARRI Rental zur Leihe angeboten wird.cite-ref-64[64] Im selben Jahr erschien die AMIRA-Kamera und 2015 stellte ARRI den LED-Scheinwerfer SkyPanel vor.cite-ref-fauer-59-2[59] Zum Jahresende 2015 schloss ARRI sein Kopierwerk fĂŒr analoge Kinofilme; eine verschlankte Abteilung beschĂ€ftigte sich weiter mit der Restaurierung von altem Filmmaterial.cite-ref-sueddeutsche-65-0[65]
Finanziell ĂŒberwand ARRI durch die Umstellung auf digitale Filmproduktion eine Krise wegen wegbrechender analoger UmsĂ€tze: Hatte ARRI 2009 noch 15 Millionen Euro Verlust eingefahren, so erholten sich Umsatz und Gewinn von 2011 an und 2015 betrug der Umsatz mehr als 300 Millionen Euro.cite-ref-sueddeutsche-65-1[65] 2019 erzielte ARRI einen Umsatz von rund 420 Millionen Euro, wĂ€hrend der Umsatz 2020, bedingt durch die Corona-Pandemie, auf 300 Millionen Euro zurĂŒckgeht.cite-ref-konzernabschluss-2020-3-1[3]
Im April 2016 erwarb ARRI die von Curt O. Schaller entwickelten Kamerastabilisierungssysteme artemis von Sachtler/Vitec Videocom.cite-ref-66[66]cite-ref-67[67]cite-ref-68[68]cite-ref-69[69] Im gleichen Jahr stellte ARRI mit dem TRINITY-System eine weiterentwickelte Version vor, die erstmals ein mechanisches Stabilisierungssystem mit einem elektronischen kombinierte.cite-ref-70[70]
2016 grĂŒndete ARRI die ARRI Academy, ein Trainingsprogramm fĂŒr BeschĂ€ftigte an professionellen Filmsets. Im selben Jahr wurde das International Support Program (ISP) gegrĂŒndet, ein globales UnterstĂŒtzungsprogramm fĂŒr aufstrebende Talente.cite-ref-71[71]
Im Jahr 2017 feierte ARRI sein 100-jĂ€hriges FirmenjubilĂ€umcite-ref-72[72] und im Mai desselben Jahres erfolgte die Grundsteinlegung fĂŒr eine neue Firmenzentrale in der Parkstadt Schwabing,cite-ref-73[73] wohin das Unternehmen zum Jahreswechsel 2019/2020 umzieht.
2018 brachte ARRI sein Large-Format-Kamerasystem auf den Markt. Auf einer Large-Format-4K-Version des ALEXA-Sensors basierend, umfasste es die Kamera ALEXA LF, die Signature-Prime-Objektive sowie weitere Komponenten.cite-ref-74[74] Ein Jahr spĂ€ter folgt die kompakte, leichte ALEXA Mini LF.cite-ref-75[75] Der Kameramann Roger Deakins war der Erste, der mit einem Prototyp der ALEXA Mini LF arbeitete. Er setzte sie fĂŒr sein Kriegsdrama 1917 ein und erhielt 2020 dafĂŒr einen Oscar in der Kategorie Beste Kamera.cite-ref-76[76]
2020er Jahre
2021 verkaufte ARRI seine ĂŒberwiegend im deutschsprachigen Raum tĂ€tige Postproduktionsabteilung ARRI Media inklusive Filmvertrieb an die US-amerikanische Seal Group.cite-ref-79[79] Der Verkauf wurde jedoch nie offiziell vollzogen.cite-ref-80[80] SchlieĂlich erwarb die SL Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbHcite-ref-81[81] im August 2021 die zwischenzeitlich als Media Services GmbH firmierende, ehemalige ARRI Media mit 130 verbliebenen Mitarbeitern.cite-ref-82[82]
2022 folgte mit ARTEMIS 2 und TRINITY 2 die zweite Generation von ARRI-Kamerastabilisierungssystemen. AuĂerdem brachte ARRI mit der ALEXA 35 eine 4K-Super-35-Kamera mit dem ersten neuen ARRI-Sensor seit zwölf Jahren auf den Markt.cite-ref-83[83] Ende 2022 gab ARRI die Ăbernahme des italienischen Lichtherstellers Claypaky bekannt. Mit der Akquisition wurde ARRI zu einem fĂŒhrenden Anbieter von Beleuchtungslösungen in den Bereichen Film und Live-Entertainment.cite-ref-84[84]
2023 erweiterte ARRI seine zwei Jahre zuvor gegrĂŒndete Einheit ARRI Solutions zu einem eigenen GeschĂ€ftsbereich. Damit reagierte ARRI auf die wachsende globale Nachfrage nach Virtual-Production-Lösungen, Systemintegration und der Entwicklung von Workflows.cite-ref-85[85]
2025 wurde Curt O. Schaller fĂŒr Konzept, Design und Entwicklung des Trinity 2-Systems mit dem Oscar fĂŒr Wissenschaft und Entwicklung, dem Academy Scientific and Engineering Award ausgezeichnetcite-ref-86[86]cite-ref-87[87].
Produkte
Kameralinien
Filmkameras werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt. Man unterscheidet die Produktklassen nach dem zu belichtenden Medium in
âą 16-mm-Film oder Schmalfilm
âą 35-mm-Film oder Normalfilm
âą 70-mm-Film oder Breitfilm
Die hierzu verwendeten Kameras sind entweder digitale Kinokameras oder Filmkameras.
ARRI-Historie im Segment 16 mm:
âą 1951â52 ARRIFLEX 16, erst ab 1960er Jahre mit dem Zusatz ST(andard)
âą 1953 ARRIFLEX 16 mit Blimp
âą 1962 ARRIFLEX 16 M(agazine)
âą 1965 ARRIFLEX 16 BL (16 ST mit Blimp)
âą 1975 ARRIFLEX 16 S(ilent) R(eflex)
âą 1979 ARRIFLEX 16 SR HS (HighSpeed, 10â150 Bilder pro Sekunde)
âą 1982 ARRIFLEX 16 SR II
âą 1982 ARRIFLEX 16 SR HS II Automatik
âą 1992 ARRIFLEX 16 SR III (umstellbar Normal-16/Super-16)
âą 1999 ARRIFLEX 16 SR III advanced
âą 2006 ARRIFLEX 416
ARRI-Historie im Segment 35-mm-Film
âą 1937 ARRIFLEX
âą 1946 ARRIFLEX II
âą 1953 ARRIFLEX 35 II A mit Blimp (SyncSound)
âą 1960 ARRIFLEX 35 II BV
âą 1960 ARRIFLEX 35 II HS (HighSpeed, bis 80 B./s)
âą 1964 ARRIFLEX 35 II C
âą 1972 ARRIFLEX 35 BL (ARRIFLEX 35 mit Blimp, SyncSound)
âą 1975 ARRIFLEX 35 BL II
âą 1979 ARRIFLEX 35 III
âą 1980 ARRIFLEX 35 BL III
âą 1982 ARRIFLEX 35 III C
âą 1986 ARRIFLEX BL 4 (SyncSound)
âą 1986 ARRIFLEX BL 4 s (SyncSound)
⹠1990 ARRIFLEX 535 (elektronisches Rampen möglich, SyncSound, löst 35er ab)
âą 1992 ARRIFLEX 535 B (SyncSound)
âą 1994 ARRIFLEX 435 (MOS)
âą 1995 ARRIFLEX 435 ES (MOS)
⹠2000 ARRICAM ST/LT (lösen 535er ab)
âą 2004 ARRIFLEX 235 (MOS) & ARRIFLEX 435 Xtreme (MOS)
ARRI-Historie im Segment 70-mm-Film
âą 1989 ARRIFLEX 765 (SyncSound)
ARRI-Historie im Segment 35 mm Digital Cinema
âą 2004 ARRIFLEX D-20
âą 2008 ARRIFLEX D-21
âą 2010 ALEXA
âą 2011 ALEXA PLUS
âą 2011 ALEXA M
âą 2012 ALEXA STUDIO
âą 2012 ALEXA PLUS 4:3
âą 2013 ALEXA XT
âą 2013 ALEXA XT PLUS
âą 2013 ALEXA XT STUDIO
âą 2013 ALEXA XT M
âą 2013 AMIRAcite-ref-amiraunveiled-88-0[88]
GegenwÀrtiges Portfolio:
âą 2010 ALEXA
âą 2013 AMIRAcite-ref-amiraunveiled-88-1[88]
âą 2014 ALEXA 65cite-ref-89[89]
âą 2015 ALEXA Mini
âą 2016 ALEXA SXT
âą 2016 ALEXA SXT Plus
âą 2016 ALEXA SXT Studio
âą 2017 ALEXA SXT W
âą 2018 ALEXA LF
âą 2019 ALEXA Mini LF
âą 2022 ALEXA 35cite-ref-90[90]
âą 2024 ALEXA 265
âą 2025 ALEXA 35 Xtreme
Objektive
ARRI vertreibt, vermietet und verkauft Objektive fĂŒr 16-mm-/35-mm-Filmkameras und digitale Kinokameras mit Super-35-Sensor.
Zusammen mit Carl Zeiss wurden bisher vier Serien von sphÀrischen Kino-Objektiven mit festen Brennweiten, eine Serie mit Zoom-Objektiven sowie ein Makro-Objektiv entwickelt:
Im FrĂŒhjahr 2013 stellten ARRI und Carl Zeiss auĂerdem eine neue Serie von anarmorphotischen Kino-Objektiven mit festen Brennweiten vor:
âą Master Anarmorphic-Serie (9 Objektive fĂŒr digitale Kinokameras mit 4:3-Super-35-Sensoren bzw. das 35-mm-4-perf-Filmformat: 28, 35, 40, 50, 60, 75, 100, 135 mm/T1.9, 180 mm/T2.8 sowie 19â36 mm/T4.2)cite-ref-97[97]
Zusammen mit Fujinon wurden bisher vier sphÀrische Zoomobjektive entwickelt:
âą Alura Studio Zooms (zwei Zoom-Objektive fĂŒr das Super-35-mm-Format: 18â80, 45â250 mm/T2.6)cite-ref-98[98]
âą Alura Leightweight Zooms (zwei besonders kompakte und leichte Zoomobjektive fĂŒr das Super-35-mm-Format: 15.5â45, 30â80 mm/T2.8)cite-ref-99[99]
ARRI etablierte ObjektivanschlĂŒsse nach der Norm Arri PL und entwickelte das ARRI Lens Data System (LDS), welches ĂŒber das Objektivbajonett Metadaten an die Kamera ĂŒbertragen kann.
Zur UnterstĂŒtzung der Kameraassistenten und fĂŒr das Video Assist hat ARRI das âLens Data Systemâ entwickelt. Dieses gestattet das Erfassen von u. a. Fokus, Blendenzahl, Zoomzustand, SchĂ€rfentiefe, hyperfokaler Entfernung, Nahfokus, Bildfrequenz, Belichtungszeit, Batteriespannung, Footage, Restfilm, und EinstellunglĂ€nge, und die Ăbertragung dieser Werte an eine spezielle Entferntanzeige oder im Video-Assist-System. Bestandteil ist das Arri PL-âLens Data Mountâ-Bajonett.cite-ref-100[100]
Seit 2018 vermarktet ARRI die âARRI Signature Primesâ mit Brennweiten von 12 mm bis 280 mm und einem LPL-Mount ausgestattet.cite-ref-101[101]
Beleuchtung
Scheinwerfer und Leuchtmittel zur Film-, Fernsehproduktion und Veranstaltungstechnik werden von ARRI hergestellt. Die ARRI-Lighting-Sparte erhielt AuftrĂ€ge aus Neuseeland fĂŒr die Herstellung von Peter Jacksons Herr der Ringe, und die Aufzeichnung der Olympischen Spiele 2008. Obgleich ARRI im Markt fĂŒr digitale TV-Kameras nur einen geringen Marktanteil besitzt, werden fĂŒr Studios die Kameras anderer Hersteller und LeuchtgerĂ€te der ARRI eingesetzt. Das Sortiment umfasst Kunstlicht (Tungsten), Tageslicht (HMI Daylight) und seit 2011 auch LED-Leuchten.
âą ARRI Fresnel (1937)
âą ARRI Gigant (1952)
âą ARRIsonne 2000 (1972)
âą ARRI Apollo (1979)
âą ARRI Studio (1988)
âą ARRI Compact Daylight (1991)
âą ARRIsun 40/25 (1992)
âą ARRIlux Pocket PAR (1996)
âą ARRIMAX 18/12 (2005)
âą ARRI M40 (2011)
âą ARRI L7 LED Fresnel (2011)
âą ARRI SkyPanel (2015)
âą ARRI Orbiter (2020)cite-ref-102[102]
âą ARRI SkyPanel X (2023)
Zubehör
ARRI stellt filmtechnische ZusatzgerĂ€te her, beispielsweise Kompendien wie das MB-20 oder MB-14 und SchĂ€rfezieheinrichtungen wie die FF-3 und FF-4. Diese werden heute auch fĂŒr Kameras anderer Hersteller genutzt. AuĂerdem hat ARRI StĂŒtzsysteme fĂŒr Objektive und Kamerazubehör entwickelt, die sich als Standards etabliert haben. Ebenfalls zum herstellerĂŒbergreifenden Standard wurde die 1972 eingefĂŒhrte âARRI-Rosetteâ. Dabei handelt es sich um eine an KameragehĂ€usen angebrachte Scheibe mit 60 radialen Rillen nach dem Prinzip der Hirth-Verzahnung. Zubehör wie Handgriffe oder Sucherhalter kann â im Winkel verstellbar â mittels eines M6-Gewindes in der Mitte der Rosette und mit entsprechenden Schrauben am Zubehör befestigt werden.cite-ref-103[103]
Kamera-Stabilisatoren
âą ARRI Trinity (eingestellt)
âą ARRI Trinity 2
âą ARRI artemis (eingestellt)
âą ARRI Artemis
âą ARRI Stabilized Remote Heads
âą ARRI Maxima
Filmrekorder
Filmscanner
FĂŒr die digitale Kinoproduktion entwickelte ARRI das ARRIRAW-Rohdatenformat, das bei den Modellen D21 und ALEXA zum Einsatz kommt. Es gestattet die Aufzeichnung der rohen Bayer-Sensor-Daten im Format von 2880 Ă 1620 bei 23,976 Bildern/s, 24p und 25p sowie 2880 Ă 2160 Pixeln bei 23,97 Bildern/s, und 30p, mit jeweils 12 Bit pro Farbkanal.cite-ref-104[104] Aufgrund der anfallenden Datenmenge von 10 GB pro Minute Drehzeit war zunĂ€chst eine Speicherung nur ĂŒber eine spezielle, als âT-Linkâ (Transport-Link, ein in einen RGBA-Dual-Link HD-SDI-Strom gemÀà SMPTE 372M abgebildetes ARRIRAW-Ăbertragungsprotokoll) bezeichnete Schnittstelle auf externe Speichervorrichtungen (z. B. von Codex Digital) möglich.cite-ref-105[105] FĂŒr die Weiterverarbeitung mit ĂŒblichen Schnittprogrammen ist eine Umwandlung mittels eines Converters (APX) in ein weiterverarbeitbares Format wie z. B. DPX notwendig.cite-ref-106[106] Die EinfĂŒhrung der sogenannten XR-Module zur Montage an der Kamera (nachrĂŒstbar fĂŒr die ALEXA-Modelle, Standard bei ALEXA XT) gestattete ab Anfang 2013 die Aufzeichnung von ARRIRAW direkt in der Kamera.cite-ref-107[107] Die Speicherung erfolgt hierbei auf âXR Capture Drivesâ, die SSD-Speicher verwenden.cite-ref-108[108]
Software
ARRI entwickelt und betreibt die webbasierte Anwendung ARRI Webgate. ARRI Webgate ist speziell fĂŒr Dailies/Rushes und die Postproduktion entwickelt worden und bietet Filmemachern Funktionen zum Video- und Datei-Management sowie zur Video-Kollaboration, PrĂ€sentation und Verteilung von Medien an.cite-ref-109[109]
Kameraproduktion
ARRI, wie auch die Mitbewerber Panavision und Aaton, beendete 2012 die Produktion von analogen Filmkameras.
Seit der Jahrtausendwende werden zunehmend digitale Kameras anstelle von Filmkameras eingesetzt, wie z. B. die D-20 und D-21. Wie in der unbewegten Fotografie, wo digitale Technologien den Film verdrĂ€ngten, werden heute digitale 35-mm-Kameras und keine auf photochemischem Film basierende GerĂ€te mehr verkauft. Verschwindend gering ist der Anteil des 70-mm-Film. Dieses Format wurde in den 1960er Jahren wegen seiner dem 35-mm-Film ĂŒberlegenen BildqualitĂ€t eingesetzt, beispielsweise fĂŒr Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum. Heute wird es (bzw. 65-mm-Kameranegativ) nur selten eingesetzt, so beim Dreh von Teilbereichen Der Herr der Ringe (lt. ARRI-Kundenzeitschrift) und teilweise bei Tom Tykwerâs The International.
Das Segment 16 mm wurde oft im Budget- und TV-Bereich eingesetzt, vor allem fĂŒr die Produktion von Fernsehspielen. Heute nehmen viele Sender, wie beispielsweise die britische BBC, kein 16-mm-Material mehr an, da die GĂŒte fĂŒr HDTV zu gering ist. 16-mm ist fĂŒr Produktionen im Einsatz, bei denen âFilmlookâ gefragt ist, z. B. Imagetrailer von Sendern und Unternehmen, Musik-Videos, Werbung.
Weltweit teilen sich heute ARRI, Aaton, Blackmagic, Sony, Panavision, RED und Phantom den Markt fĂŒr die Produktion von professionellen kinofilmtauglichen Kameras mit 35 mm und S35 mm (18 mm Ă 24 mm) groĂem Sensor.
Im Bereich der 16-mm-Kameras gibt es Anbieter von Kameratechnik teilweise aus dem (ehedem) semiprofessionellen Markt, teilweise aus dem traditionellen News- und Dokufilm-Bereich. Zum Teil haben die FilmgerĂ€te lĂ€nger ĂŒberlebt als ihre Hersteller (bspw. Mitchell, Beaulieu). FĂŒr die Filmproduktion werden die Kameras oft ĂŒber Rental-Firmen an die Produktionsfirmen vermietet.
Filmproduktion
Die GeschĂ€ftsmodelle von Arnold & Richter und Panavision unterscheiden sich stark. Panavision produziert digitale Kinokameras und 35-mm-SyncSound-Filmkameras und vermietet diese weltweit allein durch eigene Kamera-RentalhĂ€user. Im Bereich der 35-mm-MOS-Filmkameras werden die ARRI-Kameras eingekauft und âpanavizedâ, dabei wird lediglich die Objektivaufnahme verĂ€ndert. ARRI produziert MOS- und SyncSound-Kameras. Diese werden weltweit â auch an Panavision â verkauft sowie in eigenen und fremden RentalhĂ€usern vermietet. Die 2004 eingefĂŒhrte digitale Kinokamera von ARRI, die D-20, wurde anfangs nur vermietet.
ARRI Rental Group
Filmproduktionsfirmen leihen fĂŒr ihre Filmprojekte das technische Equipment bei sogenannten âRentalâ-HĂ€usern (d. h. Firmen, die professionelle Film-Technik vermieten). ARRI betreibt die eigene Rental-Haus-Kette ARRI Rental, die Kamera-, Grip- und Lichttechnik fĂŒr Film, Fernsehen und Werbefilme anbietet. Um Filmprojekte auf der ganzen Welt betreuen und versorgen zu können, gibt es ARRI Rental-Filialen in zahlreichen bedeutenden Filmproduktionsstandorten auf der ganzen Welt (Berlin, MĂŒnchen, Köln, Leipzig, Wien, Luxemburg, Prag, Budapest, London, Cardiff, New York, Los Angeles, Brooklyn, Vancouver, Charlotte).cite-ref-110[110]
ARRI entwickelte diverse Produkte, die nicht verkauft werden, sondern nur exklusiv bei ARRI Rental zu leihen sind. Zum Beispiel die digitale 65-mm-Kamera ALEXA 65cite-ref-111[111] sowie eine Spezialkamera fĂŒr schwarz-weiĂ Aufnahmen (ALEXA XT B+W).cite-ref-112[112] AuĂerdem baut die ARRI Rental Group eigene Objektive fĂŒr Large Format Kamerasysteme in kleiner limitierter StĂŒckzahl (ARRI Rental Prime DNA, Prime 65, Prime 65 S, Vintage 765, Zoom 65, DNA LF), die es nur bei ihnen zu leihen gibt. In Zusammenarbeit mit Kameraleuten können fĂŒr Filmprojekte auch spezielle Custom-Objektive (nach Kundenwunsch) gebaut werden.cite-ref-113[113]
Auch im Grip-Bereich gibt es mit dem Hexatron eine exklusive Eigenentwicklung im Verleihpark. Es handelt sich um ein hydraulisches Kamerafahrzeug, um TeleskopkamerakrÀne (Technocranes) in schwierigem GelÀnde zu bewegen und positionieren.cite-ref-114[114]
Filmmarkt
Marktanteile fĂŒr den eigentlichen Markt der 35-mm-Kameras sind schwer zu bestimmen. Derzeit befindet sich der Markt im Umbruch, da ein neuer Anbieter, die Red Digital Cinema Camera Company, von einer digitalen Kinokamera mit einem Ă€hnlich groĂen Chip wie beim 35-mm-Film ĂŒber 8500 StĂŒck verkaufen konnte und somit MarktfĂŒhrer bei NeugerĂ€ten wurde. Jedoch werden 35-mm-Kameras traditionell ĂŒber sehr lange ZeitrĂ€ume genutzt. Daher ergibt sich im Bestandsmarkt noch ein anderes Bild. Von der ARRI ALEXA konnten im ersten Jahr ĂŒber 1500 Exemplare verkauft werden, teils auch an sogenannte âOwner/Operatorâ, also Filmemacher, die selbst eine Kamera zur Eigennutzung angeschafft haben.cite-ref-115[115]
Die Aufteilung des Marktes ist allerdings nicht statisch. So ist es ARRI und Dalsa gelungen, zum ersten Mal seit Bestehen der James-Bond-Filmreihe Panavision einen Auftrag streitig zu machen. Bislang wurden alle 21 Filme des Agentenklassikers mit Panavision-Equipment gedreht. Beim Dreh von Nummer 22 (Ein Quantum Trost) wurde zum ersten Mal mit ARRI-Equipment, darunter auch die ARRI D-20, gedreht und bei dessen Nachfolger Skyfall mit der ARRI ALEXA.
ARRI-Preis und Nachwuchsförderung
Seit 2008 sponsert ARRI den Preis fĂŒr den besten auslĂ€ndischen Film beim Filmfest MĂŒnchen. Bis 2010 stiftete das Unternehmen den Preis zusammen mit Zeiss, danach alleine, von 2013 bis 2021 zusammen mit Osram, und seit 2022 wieder alleine. Der anfĂ€nglich mit 30.000 Euro dotierte Preis hat inzwischen (Stand 2022) einen Wert von 50.000 Euro.cite-ref-116[116]
Nachwuchsfilmemacher unterstĂŒtzt das Unternehmen durch die Initiativen âInternational Support Programâ, âFranz Wieser Grantâ und âARRIseâ.cite-ref-117[117] Zu den geförderten Filmen gehört u. a. Mit 20 wirst du sterben,cite-ref-118[118] der erste sudanesische Film, der fĂŒr einen Auslands-Oscar nominiert wurde.cite-ref-119[119]
Weblinks
Commons
: Arri Group
â Sammlung von Bildern und Audiodateien
âą arri.com
âą Thomas Brandlmeier: Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co Betriebs KG (ARRI) in: Historisches Lexikon Bayerns
âą Hans Albrecht Lusznat: Die Arriflex Story. in Film- & TV Kameramann 1987/88
âą Gerhard Fromm: Technische SammelblĂ€tter fĂŒr ARRI Filmkameras in: Kinomuseum MĂŒnchen, herausgegeben von Hans Albrecht Lusznat
Einzelnachweise
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